Die Kunst des Abschieds

Das alte Jahr geht zu Ende und zeigt noch mal, was es so zu bieten hatte. 2018 war ein tolles, volles, krasses, kreatives, intensives, verrücktes und bezauberndes Jahr, und wäre es geblitzt worden, es wäre viel zu schnell unterwegs gewesen! Es gab ein paar Lektionen zu lernen, vor allem über mich selbst.
Dass ich ein Freigeist bin, oft impulsiv und etwas ungeduldig, wusste ich ja schon. Nun hätte ich schwören können, dass ich auch ein super Zuhörer bin, der andere in aller Ruhe ihre Gedanken ausformulieren lässt und geduldig wartet, bis sie zu Ende gesprochen haben, bevor ich antworte. Aber siehe da, in dieser Sportart habe ich noch Trainingsbedarf. Gut, dass bald ein neues Jahr anfängt. Da nimmt man sich bekanntlich ja immer viel vor.

Ich liebe Menschen, das gilt erst einmal für alle. Bei der ersten Begegnung bekommt jeder einen Bonus von mir, ich denke dann: „Du bist bestimmt eine coole Type und hast interessante Gedanken!“ Bei näherem Kennenlernen stelle ich dann oft fest, dass ich richtig lag. Und wo nicht… naja, da schalte ich eben einen Gang zurück oder ziehe den Zündschlüssel.

Ehrlichkeit ist für mich wichtig. War es immer und ist es immer. Nicht militant bis in die kleinste, entlegenste, geheime Ecke hinein, aber als Basis finde ich sie unverzichtbar. So, dass manchmal bei mir Ehrlichkeit die Höflichkeit rechts überholt. Das ist nicht immer nötig, aber dann habe ich es auch schon ausgesprochen und es gibt kein Zurück mehr. Auch das eine Baustelle fürs neue Jahr.

Übrigens habe ich mich auch gebessert. Ein grandioser Austeiler war ich immer schon, aber inzwischen bin ich auch ein besserer Einstecker geworden. Ich sehe nicht in allem gleich eine persönliche Attacke und muss nicht mehr auf jede Barrikade gehen, die da herumsteht. Check!

Insgesamt spüre ich die Vorwärtsbewegung, dass ich unterwegs bin auf meinem Weg. Gerade fühlt es sich seit langem wieder so an, als trete ich nicht in die Fußstapfen von jemand anderem, sondern hinterließe meine eigenen im frischen Pulverschnee des Lebens, das noch vor mir liegt. Wieder Check!

Mein Opa war ein einfacher Mann, ein Bauer, dessen täglich Brot vor allem harte Arbeit war. Er redete nicht viel, aber vieles, was er sagte, habe ich nie vergessen. Zum Beispiel: „Du musst die Kunst des Abschieds lernen. Denn genau so, wie man sich verabschiedet, wird sich der Neuanfang gestalten.“

Als Kind dachte ich, woher sollen der neue Mensch oder das neue Paar Schuhe denn wissen, wie ich mich von den alten verabschiedet habe? Das kann doch gar keinen Einfluss auf die neuen Menschen oder Dinge haben, die in mein Leben kommen. Heute weiß ich es besser. Ich glaube nicht an Geister, Hexen und Gespenster, aber ich glaube an positive und negative Energien, die jedem Menschen Kraft seines Willen, seiner Liebe, seines Herzens – kurz seiner Seele anhaften. Manche nennen es Karma. Ich glaube, dass wir Gutes nur ernten, wenn wir auch Gutes sähen und dass Hass und Häme, mit der wir anderen begegnen, auf uns zurück schlägt. So, wie ein Bumerang. Das Gift, dass wir gegen andere versprühen, wird uns selbst vergiften. Umgekehrt gilt dasselbe, klar. Nur eben umgekehrt. Auf manchen Toiletten hängen Schilder, auf denen steht: Bitte verlassen Sie diese Toilette so, wie Sie sie vorzufinden wünschen! Dieser schlichte Spruch trifft es ganz gut.

Verabschieden wir also das alte Jahr so, wie wir das neue begrüßen möchten: mit guten Gefühlen, mit Neugier, frischen Ideen, mit Lust und Freude, Zuversicht und vor allem voller Liebe! Wer nicht selber liebt, kann auch nicht von anderen geliebt werden, oder lieben.

Auch wenn es manchmal nicht so scheint, ich bin sicher, wir können die Welt verändern.
Ich freu mich riesig auf das nächste Jahr, mit meiner Familie, meinen Freunden, meinem Team, meinen Partnern, meiner Platte, meinen Konzerten, meiner Helen Dorn, meinen Träumen und meinen Fragen.

Habt Alle einen guten Rutsch.

Eure Anna

#rettedichselbst #liebedichselbst #seiduselbst