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AUF DIE GEMEINSAMKEIT…

von Okt 3, 2019Blog0 Kommentare

30 Jahre ist es nun her das die Mauer zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland gefallen ist.
Die Diskussion, warum es nicht der 9.11. ist, an dem wir den Tag der Deutschen Einheit feiern, ist ja für alle die im Geschichtsunterricht aufgepasst haben, überflüssig. Da der 9. November seit dem Jahr 1938 leider für eine andere traurige Nacht in der Deutschen Geschichte steht, die Reichspogromnacht.

 

Ich habe kurz vor der Wende mein Land – die DDR, meine Familie und meine Freunde verlassen. Ich war jung, etwas naiv und sehr wütend, denn ich wollte nicht fremdbestimmte sein und empfand das System und die Politik in der DDR als zutiefst ungerecht und mein Leben dort unfrei.
Ich musste dieses Land verlassen, weil ich in ihm keine Luft mehr bekam und nicht atmen konnte.

 

Leider musste ich damit auch meine Familie und meine Freunde verlassen, denn damals war Deutschland eben noch in diese zwei Hälften geteilt.

 

Als am 9. November 1989 dann diese furchtbare Mauer fiel und die Grenzen geöffnet wurden, war das Glück das überwiegende und große Gefühl auf beiden frisch vereinten Seiten des Landes.

 

Dieses überschäumende Glück, warum lässt es sich nicht über all die Jahre halten?

 

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich damals im „Westen“ auf ein tolles Gymnasium ging, kellnerte, putze, am Tresen arbeitete und schließlich studierte.

 

Ich hatte in dieser anfänglichen Zeit oft dieses seltsame Gefühl ein Gast in diesem Land zu sein. Die Menschen in meiner Umgebung sprachen oft über „diesen Osten“ und „die Menschen aus dem Osten“. Irgendwie hab ich mich dann da raus gearbeitet aus diesem Gefühl. Vielleicht gelang mir das, weil ich ein Macher bin und immer in Bewegung, dank meines Berufes kann ich das und vielleicht auch weil ich damals noch sehr jung war. Was für eine verrückte Zeit das war.

 

In den letzten Jahren habe ich mich allerdings oft gefragt, warum das 30 Jahre später immer noch so ist, warum immer noch manchmal mit eigenartiger Attitüde über „den Osten“ und diese „Menschen aus dem Osten“ gesprochen wird, und ob sich wohl all diese Menschen dadurch auch immer ein wenig als Gast in Ihrem Land fühlen, über die man da immer so spricht. So wie ich mich damals gefühlt hab.

 

Warum nur sprechen wir so selten über die Deutschen, ohne sie in Ost und West zu unterteilen, wie es die Mauer damals getan hat. Warum fühlen wir uns nicht als Eins?

 

Ich hab mich auch in letzter Zeit schon oft gefragt, warum wir diese wunderbare Demokratie, in der wir heute leben dürfen anzweifeln, anstatt sie zu leben, zu lieben und zu schützen.

 

Wir sollten beginnen die Probleme der Anderen noch mehr als unsere zu betrachten, denn wir leben gemeinsam in unserem Land und bilden gemeinsam unsere Gesellschaft, wir sind eine Nation.

 

Ich feiere den Tag der Deutschen Einheit heute in Hamburg, wo ich nach meiner Flucht gelebt und studiert habe. Ich denke oft zurück an diese Zeit und bin all den Menschen dankbar, die damals dafür gesorgt haben, dass ich mich nicht mehr als Gast fühlen muss, die mein Selbstbewusstsein gestärkt, meine Weltoffenheit geprägt und meinen Optimismus genährt haben.

 

Ich drehe heute hier mit meinem Filmteam, Menschen die aus verschiedenen Bundesländern stammen, die unabhängig von Ihrer Herkunft, heute gemeinsam etwas schaffen werden. Wir kaufen uns damit ein längeres Wochenende, da wir dafür Alle morgen frei haben, das haben wir gemeinsam beschlossen.

 

Auf die Gemeinsamkeit!
Lieben Gruss und einen tollen Tag der Deutschen Einheit wünscht Euch,
Eure Anna